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Prof. Dr. Peter Gerlach


 
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  »Proportions - Body - Live«
Sources - Concepts - Arguments
Theories of Human Proportions from 1576 to 1922
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    Johann Justin Preissler

    »Die durch Theorie«

    Nürnberg 1757.


    Titelblatt

    Tafel I - III.
    Taf. 1 Taf. 2 Wachs Preissler, Taf. III.1 Preisller Taf. III.2 Preissler Taf. III.3 Preissler Taf. III.4 Preissler Taf. III.5/6 Preissler Taf. III.7

    Proportion des Kopfes und seiner Teile
    Taf. 3 - 6

    Taf.3 Taf.4 Taf.5 Taf.6


    Proportion des Körpers und seiner Teile
    Taf. 12, 14, 16 - 17

    Taf. 12 Taf. 14 Taf. 16 Taf. 17


    Kommentar
    Johann Daniel (*17.01.1666 - † 13.10.1737) und sein Sohn Johann Justin (* 4.12.1698 - † 18.02.1771) Preissler schufen als Mitglieder der von Joachim von Sandrart (* 1606 - † 1688) gegründeten Nürnberger Akademie innerhalb weniger Jahre ein umfassendes, systematisch gegliedertes Lehrbuch von insgesamt vier Teilen für den Grundunterricht in bildender Kunst, also für das Einüben des Figuren- und Landschaftszeichnens.

    Zu den erforderlichen Elementarkenntnissen und -fertigkeiten, die sich der junge Künstler aneignen muß, gehöre die genaue Kenntnis der menschlichen Proportion. Nur deren differenzierte Beherrschung befähige ihn späterhin die Differenzen in der Darstellung unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Charakters angemessen leisten zu können.

    Nach der herrschenden Temperamentenlehre - als der medizintheoretischen Basis zum Verständnis des Verhältnisses von Leib und Seele - ist der individuelle Charakter abhängig von den Mischungsverhältnissen der für das Temperament verantwortlichen Säfte. Das proportionale Verhältnis dieser Mischung bestimmt zugleich auch seine äußere Gestalt. Insofern ist die Kenntnis von der Proportionen des Äußeren zugleich eine Kenntnis zur Gestaltung von unterschiedlichen Charakteren.

    Von besonderem Interesse ist nun die im 4. Teil abgedruckte geometrische Konstruktionsanweisung des jüngeren Preisslers. Er suggeriert darin eine lineare Zunahme der Größe während des Wachstum. In diesem Blatt sind diejenigen Altersstufen nebeneinandergestellt (jede einzelne läßt sich in der obigen Abb. vergrößert aufrufen), die in der herkömmlichen Ikonographie eine besondere Rolle spielten. Von Putto - dem etwa zweijährigen Kind - bis zum Vollausgewachsenen, etwa 24 jährigen Mann, kann der Zeichner so jede beliebige Zwischenstufe abmessend herausgreifen. Daß wir es dabei noch nicht mit der erst im XIX. Jahrhundert entdeckten Wachstumskurve zu tun haben, lehrt deren linearen Verlauf.
    Bemerkenswert indessen an diesem Konstrukt ist, daß auch Altersstufen, die bis dahin recht selten als Themen in der bildenden Kunst vorkamen - wie z.B. bestimmte Stufen des jugendlich Heranwachsenden - mit Leichtigkeit aus diesem Schema heraus in ihren Abmessungen bestimmbar wurden. Das macht diese Publikation zu einem raren Fall der zeitgenössischen Kunstliteratur. Sie war jedenfalls insofern hilfreich, als Aktstudium - wenn überhaupt als besonderes Privileg der Akademie zugebilligt - keineswegs zur alltäglichen Praxis künstlerischen Studiums gehörte. Das Zeichnen nach Vorlagen und Gipskopie antiker Statuen stand immer noch an dieser Stelle.

    Bibliographie
    Preissler 1757, Bibliographie
    Titel: «Fortsetzung der durch Theorie erfundene Practic. Oder Gründlich=verfaßte Reguln, deren man sich als einer Anleitung zu berühmter Künstlere Zeichen=Wercken besten bedienen kan. Vierter Theil. Herausgegeben von Johann Justin Preißler, der allhiesigen Kunstmahler-Academie Directore, auch bey Ihme zu finden, in Nürnberg.» Gedruckt bey Johann Joseph Fleischmann, Raths- und Canzley-Buchdruckern, Anno MDCCLVII.
    - Titelblatt, VI Blatt An die Lehr=Begierigen, 18 Tafeln.
    Literatur: Ulrich Thieme - Felix Becker (Hg.), »Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler.« Bd. 27, 1933, S. 373 - 374; Gerlach 1990, S. 15, 22, 31, 33, 119 f, 122 f, 138, 141, 144, 148, 149, 151, 155, 164, 183 ff*, 199, 203, 208, 225, 231, 233, 243.

    Exemplar: Privatbesitz. 1789, 4. Auflage: Heidelberg, Univ. Bibl.: digital.


    © W.P.Gerlach 12.12.1999, revidiert 06.2019



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